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Hinter den Kulissen des Films— „Costa Rica: Pura Vida, Pura Tierra“

Geschrieben von Bacha Coffee | 3 minuten |
Der Dokumentarfilmer Fraser Morton zeichnet ein lebhaftes Porträt der Verbindung zwischen Kaffee, Land und Menschen Costa Ricas, vereint durch die Philosophie des „reinen Lebens“.
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Ich war bereits seit einer Woche in Costa Rica, als ich nach San José kam, wo ich mit dem Filmen für das nächste Kapitel von „Reisen zum Ursprung“ begann.
 
Ich hatte die Tage zuvor an der Pazifikküste in Nosara verbracht, wo ich eine dringend benötigte Auszeit nach einem anstrengenden Reise- und Filmjahr genoss. Jeden Morgen joggte ich an den langen, goldenen Stränden entlang, wo sich der Dschungel fast bis zur Meereslinie hin erstreckt. Ich nahm dort an einem Schreib-Retreat teil, sodass meine Tage sehr einfach abliefen. Joggen. Schreiben. Frisches Essen. Schwimmen. Und von vorne.
 
Als ich Nosara dann verließ, fühlte ich mich ausgeruht, erholt und hatte Sinn für neue Ideen, was ganz klar vom völligen Eintauchen in die Natur kam. Neben der Zeit zum Schreiben und Nachdenken hat mich an diesem Stück Land an der costa-ricanischen Küste besonders beeindruckt, dass es so unberührt und unbefleckt von der skrupellosen Entwicklung war, die so viele tropischen Küsten weltweit betrifft. Das hier war anders. Es war ein geschütztes Land.
 
Hier reihten sich keine großen Hauswände oder weitläufige Resorts aneinander, die um einen Platz am Strand kämpfen. Bereits bei meinem ersten Morgenlauf zeigte sich die klare Verpflichtung zur Nachhaltigkeit in Costa Rica. Ich lief an Schildern vorbei, auf denen „Área protegida” (Geschützter Bereich) und „Protejamos nuestras playas” (Wir schützen unsere Strände) stand. Wälder säumten die Stadtränder. Wilde Tiere zeigten sich überall. Die Natur zeigte sich in ihrer ganzen Fülle. Die Präsenz der Menschen und die Infrastruktur existierten im Einklang mit der Natur.
 
Als ich Nosara verlassen wollte, ging ich an Bord einer winzigen Propellermaschine zurück nach San José und stellte fest, dass ich der einzige Passagier war. Beim Blick aus dem Fenster sah ich, wie sich Costa Rica unter mir in einer dicken, tropischen Decke aus Grün präsentierte. Grüne Hügel erstreckten sich bis zum Horizont, durchzogen von Flüssen und Siedlungen, während Vulkane die Wolkendecke durchbrachen. Nachdem ich eine Woche lang das Land zu Boden kennengelernt hatte, konnte ich es aus der Luft besonders schätzen.
 
San José erdete mich abrupt wieder. Die Hauptstadt fühlte sich nach der Ruhe an der Küste roh und energetisch an. Ich traf mich mit Rüdiger Freytag, Head of Coffee Procurement and Production von Bacha Coffee. Am Morgen danach stiegen wir in einen 4x4 und erklommen das vulkanische Hochland. Unser Ziel war Volcán Azul, wo eine Farmer-Familie seit sieben Generationen Kaffee anbaut.
Behind the Scenes of the Film—Costa Rica Pura Vida, Pura Tierra - Image7

Das Land der Vulkane
 
Die Farm befindet sich an den Hängen des Poás-Vulkans, ein großer Stratovulkan, der über dem zentralen Hochland von Costa Rica aufragt. In seinem Krater befindet sich eine türkise Lagune und große Wolken weißen Rauchs steigen aus seinem Inneren auf. Vulkanböden, Höhe, kühle Luft, Wald und Feuchtigkeit vereinen sich zu Bedingungen, unter denen Arabica-Kaffee hervorragend wachsen kann. Hier wollten wir die folgenden Tage verbringen.
 
Wir übernachteten in einem kleinen, familiengeführten Gästehaus in den Bergen. Die Morgen begannen mit Obst, Frühstück und natürlich den besten Kaffees der Welt. Danach beluden wir die Fahrzeuge mit unserer Ausrüstung und fuhren los, um zu filmen. Ich habe während eines Großteils meiner Karriere Umweltschutz dokumentiert, deshalb war ich besonders an der Beziehung zwischen der Landwirtschaft und der Natur interessiert. Die Dokumentation des Kaffeeanbaus wurde ein immer wichtigerer Teil dieser Reise.
 
Das erste, was mich an Volcán Azul begeisterte war, dass es fast gar nicht nach einem landwirtschaftlich bewirtschafteten Stück Land aussah. Einer der Farmer, der Volcán Azul zusammen mit seiner Familie leitet, erklärte, dass mehr als 60 Prozent seiner Ländereien dem Naturschutz verschrieben sind. Auf Volcán Azul selbst sind etwa 220 der 300 Hektar Waldgebiet. Die Familie baut seit fast zwei Jahrhunderten Kaffee an und exportiert ihn. Er gehört zur siebten Generation väterlicherseits. Seine Kinder sogar schon die achte.
 
Das Kennenlernen dieser Familie war bei dem Filmprojekt ein besonderes Highlight. Wir haben zusammen gegessen. Mittag- und Abendessen fanden in ihrem Zuhause an einem großen Tisch mit Familienmitgliedern statt, und wir sprachen über Kaffee, Naturschutz, Philosophie und das Leben. Ihr Stolz auf ihre Handwerkskunst und ihre Liebe zum Land waren ansteckend.
 
Sie sprachen über ihre Vorfahren und welche Verpflichtungen sie ihnen gegenüber verspüren. Sie erinnerten sich daran, wie es war, während der Erntesaison aufzuwachsen und wie er umgeben von Kaffeepflückern seinem Vater über die Plantage folgte. Kaffee war immer da. Er war ein Teil ihres Lebens. Sein Vater begann in den frühen 1980er Jahren damit, Wälder zu schützen. Das war zu einer Zeit, in der die landwirtschaftliche Expansion die Abholzung in Costa Rica noch vorantrieb. Jahrzehnte später hat sich diese Philosophie zu einem viel größeren Experiment gewandelt, bei dem Kaffee mit einem florierenden Ökosystem koexistieren kann. Der Wald spielt beim Kaffee selbst auch eine Rolle.
 
Behind the Scenes of the Film—Costa Rica Pura Vida, Pura Tierra - Image8
Ein Farmer erklärte, wie die Beschattung der Bäume dazu beiträgt, die Temperaturen zu senken und die Feuchtigkeit auf der Farm zu erhalten. Kaffeekirschen reifen in kühleren Bedingungen langsamer und entwickeln dadurch eine größere Dichte und Komplexität. Auf der Plantage pflanzt die Familie immer mehr schattenspendende Bäume, schützt die Bodenbedeckung, reduziert den Einsatz von Pestiziden und fördert dadurch die Rückkehr von Insekten, Vögeln und Mikoorganismen. Hier wächst Kaffee als eine von hunderten Pflanzen, nicht als Monokultur. Dort zu stehen, den Boden zu riechen und den Vögeln aus dem Wald zuzuhören, brachte eine Erkenntnis: Behandle das Land gut und es gibt dir etwas zurück.
Handwerkskunst und Kaffeekultur aus Costa Rica
 

Die Kaffeeverarbeitung auf Volcán Azul war besonders faszinierend. Alles verlief mit ruhiger Präzision.

Wir folgten reifen Kirschen ab dem Moment, als sie vom Baum gepflückt wurden. Sie wurden gesammelt, gewogen und von einem Traktor nach unten gebracht. An der Mühle begann ein weiteres Kapitel. Die Kirschen wurden sortiert und verarbeitet. Bohnen liefen durch Waschstationen hin zu Trockenbereichen. Bei honigverarbeiteten Kaffees blieb ein Teil des Fruchtfleisches zum Trocknen an der Bohne. Andere Kaffee wurden komplett gewaschen. Jede Entscheidung zeigte sich am Ende irgendwo in der Tasse.
 
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Zuzusehen, wie der gesamte Prozess sich entfaltete, war wie ein gut einstudierter Tanz. Jeder kannte seine Rolle. Hände bewegten sich schnell bei den bekannten Aufgaben. Traktoren kamen, wenn sie gebraucht wurden. Die Kirschen kamen an. Der Kaffee wurde weiter transportiert. Generationen von angesammeltem Wissen waren im Rhythmus dieses Ortes verankert. Die Arbeit wurde mit Stolz verrichtet.
 
Heute wird viel darüber gesprochen, wie verantwortungsvolle Landwirtschaft aussehen soll. Hier konnte ich Menschen einfach dabei zu sehen. Die Farm war produktiv, sorgfältig geführt und eng mit ihrer Landschaft um sie herum verwoben. Selbst die scheinbare Unordnung hatte ihren Sinn. Bodendecker schützen den Boden. Unterschiedliche Wurzelsysteme interagieren unter unseren Füßen. Insekten hatten natürliche Feinde. Bäume spendeten Schatten. Der Wald erhielt die Feuchtigkeit und die moderaten Temperaturen. Die Kaffeeplantage existierte in einem Ökosystem, dem man Luft zum Atmen gegeben hatte.
Coffee Cultures Around the World Costa Rica - Image12

Reisen mit einem Kaffeeexperten
 
Dies war meine zweite Reise mit Rüdiger. Irgendwo zwischen Äthiopien und Costa Rica war er sowohl zu einem Freund als auch zu einem Kollegen geworden. Mit ihm zu reisen wurde gleichzeitig auch eine Bildungsreise über Kaffee.
 
Rüdiger besuchte seit vielen Jahren Plantagen weltweit, verkostete Ernten und baute Beziehungen mit Produzenten und Farmern auf. Ihn bei der Arbeit zu beobachten, lehrte mich auf die Details zu achten, die ich sonst komplett übersehen hätte.
 
Er geht langsam durch die Plantagen. Er inspiziert die Kirschen. Er stellt Fragen. Er verkostet kontinuierlich. Am Verkostungstisch kann ihn eine kleine Veränderung beim Geschmack durch die ganze Geschichte des Kaffees führen. Reife. Höhe. Sorte. Fermentation. Trocknung. Verarbeitung. Irgendwo in dieser Kette liegt eine Erklärung.
 
Ich habe auch angefangen zu verstehen, wie stark die Kaffeequalität von Beziehungen abhängt. Kaffee läuft durch viele Hände, bevor er in unserer Tasse landet. Auf Volcán Azul hat sich die Beziehung zwischen Farmer und Röster durch Gespräche, Besuche, Verkostungen, Experimente und gemeinsame Zeit entwickelt. Diese Beziehungen basieren auf Vertrauen.
 
Und dies wirkt sich auf die Qualität aus. Wenn Farmer wissen, was ein Kaffeeeinkäufer sucht, können sie mit Sorten, Anbau und der Verarbeitung experimentieren. Wenn Rüdiger regelmäßig auf die Farm zurückkehrt, versteht er die Herausforderungen jeder Ernte und die Entscheidungen hinter dem Geschmack, der sich schließlich in der Tasse findet.
 
Die Transaktion hat ein Gesicht. Und das zählt. Geschäfte prägen die Welt um uns herum. Die Dinge, die ein Unternehmen wertschätzt, finden ihren Weg in die Landschaft, die Arbeitsweisen und die Produkte, die wir konsumieren. Zeit am Ursprung zu verbringen, macht es fast unmöglich, diese Verbindungen zu ignorieren. Das ist einer der Gründe, warum ich diese Filme so gerne mache. Es hat etwas höchst Zufriedenstellendes, Menschen zu dokumentieren, die hochwertige Produkte herstellen und gleichzeitig die Umwelt und die Kultur schätzen.

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Pura Vida
 
Im Laufe der Woche haben wir die gesamte Reise dieser Kaffees gefilmt.
 
Wir sind die Vulkanhänge hinaufgestiegen. Wir haben die Kirschen direkt vom Ast gekostet. Wir haben Traktoren beobachtet, wie sie die Ernte durch die Farm fuhren. Wir haben die Waschung und die Honigverarbeitung gefilmt und auch das Trocknen. Schließlich sind wir dem Kaffee an den Verkostungstisch gefolgt, wo Rüdiger und die Farmer gemeinsam die Ergebnisse probierten.
 
Irgendwann während dieser ganzen Reise begann der Ausdruck „Pura Vida“ für mich mehr Sinn zu machen. Man hört ihn überall in Costa Rica. Es kann Hallo, Auf Wiedersehen, Alles ist gut oder Genieße das Leben bedeuten. Wenn man genug Zeit dort verbringt, wird es viel mehr als eine gute Übersetzung.
 
Auf Volcán Azul nahm ich es als Lebenseinstellung wahr. Ich sah es am Familientisch. In der Geduld, die es für den Kaffeeanbau in großen Höhen braucht. In der Entscheidung, hunderte von Hektar Wald stehen zu lassen. In den Arbeitern, die sich mühelos durch die Plantage bewegten. In der Bereitschaft, eine kleinere Ernte von einem Kaffeebusch zu akzeptieren, wenn die anderen Kirschen eine bessere Qualität lieferten. Da war eine Ruhe an diesem Ort. Je mehr Zeit ich mit den Farmern in dieser Umgebung verbrachte, desto mehr begann Costa Rica sich wie ein neuer Freund anzufühlen. Jemand, der gutes Essen und hochwertigen Kaffee genießt, die Natur liebt, Freude ernst nimmt und versteht, dass solche Freuden davon abhängen, wie man mit dem Ort umgeht, der sie hervorbringt.
 
Dies brachte mich zum Nachdenken über unseren Drang zur Geschwindigkeit. Wir sind enorm gut darin geworden, riesige Mengen von Dingen billig zu produzieren. Kleidung. Essen. Kaffee. Beinahe alles, was wir konsumieren, kann schneller und billiger hergestellt werden. Eine Woche auf diesen Vulkanhängen hat mich daran erinnert, wie wertvoll ein anderer Rhythmus sein kann. Außergewöhnlichen Kaffee zu produzieren erfordert Achtsamkeit. Es erfordert gesunden Boden, Wissen, Beziehungen, Geduld und Menschen, die bereit sind, sich um Details zu kümmern, die die meisten von uns niemals sehen werden. Darin liegt eine Bedeutung.
 
Während unserer letzten Tage habe ich Rüdiger und die Farmer dabei beobachtet, wie sie den Kaffee verkosteten. Dieser wird dann seine Reise weiter nach Marrakesch machen, wo eine andere Gruppe von Menschen die Verantwortung für dessen Röstung übernimmt, bevor er in die Welt hinausgeht.
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Ich habe Costa Rica mit Narben auf meinen Händen verlassen und mit einer viel größeren Wertschätzung für ein Land, mit dem ich in überraschend kurzer Zeit eine sehr intensive Bindung aufgebaut hatte. Am meisten habe ich über den Boden unter diesen Kaffeebüschen nachgedacht, den Wald, der sie umgibt, und die sieben Generationen einer Familie, die gelernt hat, mit beidem zu arbeiten.
 
Vielleicht ist es das, was ich erinnern werde, wenn jemand Pura Vida sagt. Gutes Land. Gute Leute. Guter Kaffee. Und genug Geduld, die es allen ermöglicht, zu wachsen.
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